Kuba

18Jan2018

Toronto Flughafen

 

In Toronto hatte es leider nicht mehr zum Schreiben gereicht. Ich habe dort eine Irländerin und einen Amerikaner getroffen mit denen ich mich eine ganze Zeit unterhalten habe. Beruflich fliegen die Beiden sehr viel und als ich meine Geschichte mit dem verpassten Flug erzählt habe, meinten sie, dass das ihnen bereits öfter passiert ist. Das hat mich dann etwas getröstet. Zudem war die Irländerin schon seit 2 Tagen nach Hause unterwegs, weil es technische Probleme mit ihrem Flugzeug gab. Für mich ging es jedoch nach einer kurzen Wartezeit weiter.

 

  Fliiiiiegen

Fliegen ist ja gar nicht so mein Ding - etwas Flugangst macht sich manchmal in mir breit. Deswegen checke ich immer die Rahmenbedingungen bevor es losgeht. Von Montreal nach Toronto habe ich sofort ein Baby im Flugzeug entdeckt und habe mich selbst gefragt: "Wer würde schon ein Flugzeug mit Baby abstürzen lassen?" Innere Ruhe machte sich in mir breit. Weniger zum Lachen hatte ich von Toronto bis Havanna. Einstieg ins Flugzeug: Kein Baby an Board. Ich setze mich auf meinen Platz. Links neben mir zwei total unfreundliche Russen, die den Mund nicht aufkriegen aber später meinen Stift zum Schreiben haben wollen. Noch schlimmer: Sie spielen CandyCrushSaga. Ich bin geliefert.

Havanna Sonnenuntergang

Angekommen bin ich letztendlich trotzdem irgendwie. Schon im Flugzeug habe ich Leute angesprochen, um mir das Taxi bis in die Innenstadt Havannas zu teilen. 25$ kostet der Spaß. Der Flughafen ist ziemlich weit außerhalb von Havanna gelegen. Die Taxifahrer wissen genau wann die Flugzeuge ankommen und dann wird um Fahrgäste gebuhlt. Als unwissender Tourist hat man auch keine Ahnung, wie man ansonsten in die Stadt gelangen kann. Ich wollte eigentlich den Bus nehmen, aber mein Flug kam erst gegen 22:00 an. Da geht man lieber auf Nummer sicher. Zwei deutsche Pärchen haben sich sofort gefunden. Mit einem habe ich mir das Taxi geteilt. Dieses Paar, beide BWL-Studenten, war nicht gerade das blühende Leben. Zudem konnten sie gar kein Spanisch. Mit meinen paar Wortklumpen habe ich uns dann ein Taxi organisiert und mich nach dem Preis erkundingt(nur um sicher zu gehen). Bevor es losging haben wir noch Geld abgehoben. Mit dem Taxifahrer sind wir im Anschluss auf einen dunklen Parkplatz gelaufen. Rucksäcke in den Kofferraum. Der Fahrer setze sich bereits ins Auto und wir standen daneben. Ich dachte: "Wenn er jetzt losfährt, dann war es das." Aber nein, die Tür öffnete sich und es ab in die Innenstadt. Nach einer 20-minütigen Fahrt wurden wir in einer dunklen Straße abgesetzt. Die Verabschiedung von den Deutschen ging schnell. Nach 20 Metern Fußweg bin ich an einem Kiosk angehalten. Der Verkäufer war sehr nett und ich bekam zwei Schinken/Käsesandwiches für 1$. Zudem hat er mir einige Tipps gegeben. Ich hatte nach dem Essen zwar einige Bauchschmerzen, war jedoch froh, dass ich etwas im Magen habe. Gegen 01.00 bin ich in meiner Unterkunft angekommen. Endlich!

Am nächsten Morgen machte ich mich nach einem langen Schlaf auf in die dreckigen Gassen Havannas. Wenn ich dreckig schreibe, meine ich es auch. Nach ein paar Tagen hat man so ziemlich alles auf der Straße rumliegen sehen: Bauschutt, Essensreste, Plastikmüll, Tierknochen und tote Tiere. Nichtsdestotrotz versprühen die Gassen einen ganz eigenen Charme. Die Häuser sind sehr farbenfroh, es bröckelt der Putz von den Wänden, Wäsche hängt von den Balkonen und es herrscht ein wildes Treiben in den Straßen. Man entdeckt unendlich viele Sachen wenn man in den Straßen Havannas rumschlendert. An meinem ersten Morgen ging es für mich jedenfalls erstmal in ein Lokal. Ohne Frühstück muss ja nicht sein. Eine Pizza, ein Burger und ein Saft für 110 CUP - das ist schon ok habe ich mir gedacht. An dieser Stelle eine kleine Einführung ins Thema Währung:

Auf Kuba gibt es zwei Währungen:

CUC = Pesos Convertible. Als Tourist hat man eigentlich nur diese Währung in den Händen. Der CUC ist an den amerikanischen US-Dollar gebunden. Er ist also eine Art Dollarersatz.

CUP = Kubanischer Peso. Kubaner, also die Einheimischen, werden mit CUP bezahlt. Man kann in Banken aber CUC in CUP tauschen.

Für einen 1 CUC erhält man 24 CUP. Ich habe also umgerechnet 4,60$ bezahlt. In Euro ca. 3,70€.

In diesem Lokal bin ich aber irgendwie davon ausgegangen, dass 1 CUC umgerechnet 100 CUP sind. Als sie von mir 5 CUC forderten, sagte ich also dass das viel zu teuer ist. Die beiden Verkäuferinnen haben mich nur ungläubig angeschaut. Irgendwie wusste ich, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Also mein Essen auf dem Tisch war, habe ich nochmal nachgedacht und mir schon etwas an den Kopf gegriffen. Peinlich, haha. Aber was solls. Es sollte noch besser kommen. Danach wurde ich beim rumschlendern auf einmal von einem Mann angesprochen. Ob ich nach etwas suche, fragte er mich. Ich war in dem Moment mit fotografieren beschäftigt, aber indirekt habe ich schon nach einer Bank gesucht. Also hat er mich 20m zu einer Bank geführt. Nachdem ich Geld getauscht habe, wollte er einen CUC von mir. Wie bitte? Natürlich nicht. Enttäuscht zog er von dannen. 10 Minuten später wurde ich von Petro angesprochen. Ich ahnte schon, auf was das Ganze hinausläuft. Aber es war ein erstaunlich aufschlussreiches Gespräch. Er konnte mir viel über Kuba erzählen. Nach einigen Minuten fing er jedoch an von seinem Taxiservice zu erzählen und wollte mir eine Fahrt aufdrängen. Ich musste an dem Tag ja auch noch zum Flughafen um Judith abzuholen. Das 40$ - Angebot für beide Strecken zum Flughafen schlug ich dankend aus. Danach ist unser lieber Petro etwas pampig geworden. Schade. 5 Minuten später. Ich laufe wieder gedankenverloren durch die Straßen als mich plötzlich ein Pärchen anspricht. Sie sind Musiker und erzählen mir von einem Musikfest, dass an dem Abend ein paar Blocks weiter stattfinden soll. Der Typ meinte, er sei Pianist und die junge Frau seine Sängerin. "Musiker" dachte ich. Voll gut. Sie luden mich ein um mir mehr Informationen zu geben. Ich war skeptisch, sagte jedoch zu. Also gingen wir 20m weiter in eine lokale Bar. Dachte ich. Sie setzte sich hin und fing sofort an zu schreiben. Der Typ hielt mir den Stuhl hin, als Aufforderung mich zu setzen. Ich, mittlerweile noch skeptischer, setzte mich zögerlich. Zu Beginn war es ganz nett. Sie erzählte von ihrer Schwester, die angeblich in Deutschland wohnt. Ein paar Brocken deutsch konnte sie auch. Dann fragten sie mich, ob ich denn schon Havana Fresh probiert habe. Ein bekannter Drink in Havanna. Ich verneinte, sie bestellten drei Getränke. Während unseres weiteren Gesprächs fiel dann folgender Satz: "Thanks for inviting us." (Danke für die Einladung). Ja sicher. Das war ja so klar. Naja - ich bezahl einfach in CUP, dachte ich mir. Die Beiden bestellten die Rechnung. Eine nette 18 war auf dem Zettel. Als ich den 20er CUP Schein rausholte, sagten alle Beteiligten ganz plötzlich "No No, No CUP, its CUC!"

18$ für drei Getränke? Gehts noch? Ich bin richtig sauer geworden. Ich sagte, dass ich nicht dafür bezahlen werde. Nur für meinen eigenen Drink. Die Stimmung schlug schlagartig in Feindseligkeit um. "You are not German, you are American". Das ist wohl die übelste Beleidigung die man auf Kuba bekommen kann. Haha. Die Beiden sind laut geworden. Ich noch lauter. Meinen Wortlaut weiß ich nicht mehr, aber ich habe sie mit ihrer hässlichen Masche konfrontiert. Der Typ ist wutentbrannt aus dem Lokal gestürmt. Sie ist sitzen geblieben und hat mir erzählt, dass sie das nicht bezahlen können und jetzt Ärger mit der Polizei bekommen. Ich entgegnete, dass es ihre eigene Schuld sei. Dass sie genau gewusst haben was sie tun. Sie wurde ganz traurig. Ich war unentschlossen. Keine Ahnung. Ich gab ihr 5$ und bin dann mit der festen Überzeugung aus dem Lokal gelaufen, alle zukünftigen Anmachen gepflegt zu ignorieren. Man war ich wütend und enttäuscht!

Nach kurzer Rehabilitation in unserer Unterkunft bereitete ich mich darauf vor Judith vom Flughafen abzuholen. 1,5h Stunden vor ihrer Landung bin ich gestartet. Als erstes ein halbstündiger Fußmarsch bis zum Platz der Revolution. Nachdem ich mich mit meinem Spanisch wieder halb blamiert habe, bin ich in den Bus P12 gestiegen. Für die Information hat es also trotzdem gereicht.

 

Nach einer einstündigen Busfahrt hat mich ein Mann angetippt dass ich jetzt raus müsse, falls ich zum Flughafen möchte. Die Endhaltestelle dieses Busses ist eine andere. Das habe ich nicht verstanden, konnte ich mir aber irgendwie denken. Er fragte zudem, zu welchem Terminal ich muss. Zu welchem? Es gibt mehr als eins? Auf die Frage wo meine Freundin abgeflogen ist, sagte ich Deutschland und da wusste er Bescheid. Es war natürlich das Terminal 3, wo ich auch gelandet bin. Also bin ich aus dem Bus ausgestiegen - und stand so ziemlich verloren im Nichts. Und es war ja bereits 20:00 - der Mann der mich angestupst hat, ist aus dem Bus ausgestiegen und hat mir gesagt, das ich ihm folgen soll. Er hat für mich ein Taxi angehalten und mich ins Taxi gesetzt. Der Taxifahrer hat am Flughafen dann ca 5$ von mir verlangt. Für eventuell 5 Minuten Fahrt. Was läuft falsch in diesem Land?

In der Eingangshalle habe ich dann auf Judith gewartet. An der Anzeigetafel konnte ich bei Ankunft aber kein Frankfurt entdecken. Irgendwas war komisch. 20:20 habe ich am Informationsschalter nachgefragt und mir wurde gesagt, dass der Flug am anderen Terminal landet. Ich bekam einen kleinen Schreck, weil ich dachte das Judith eventuell schon auf mich wartet und sie verzweifelt, weil ich ja gesagt habe, dass ich sie abhole. Ich bin schnell aus dem Terminal gelaufen und habe ein Taxifahrer angesprochen. Der wollte 10$ bis zum anderen Terminal. Ich sagte, dass sei zu teuer. Da machten wir den Deal, dass ich 25$ bis zum anderen Terminal inklusive Stadtfahrt bezahle. Das war ok. Also hat er einen seiner Fahrer informiert mich da hinzubringen. Los gehts. Angekommen sagte ich, dass ich meine Freundin erst suchen muss. Sie war aber noch nicht da. Nach fünf Minuten kam er zu mir und fragte was nun sei. Ich erklärte ihm die Situation und er sagte, dass ich jetzt zu bezahlen habe. 10$! Ich sagte nein, das ist zu teuer. Er sagte, dass war so abgemacht(was ja stimmt). Ich entgegnete, dass sein Boss weniger Geld verlangt habe.(was gelogen war, aber nach dem ganzen Tag hatte ich einfach genug) Er ist richtig sauer geworden und hat gesagt, dass er jetzt die Polizei holt wenn ich nicht bezahle. Ich sagte, ich bezahle nichts. Es ist zu teuer. Es kam nichts mehr, er lief davon. Ich dachte mir nur "Oh mein Gott. Was wenn er jetzt wirklich die Polizei holt? Wo läuft er hin? Nicht zu seinem Auto." Ich versteckte mich beim Ausgangsbereich so gut ich konnte und hatte einen wahnsinnigen Puls. Was wenn ich jetzt abgeführt werde und Judith hat keine Ahnung wo ich bin. Und ich lande im kubanischen Knast? So richtig klug war das jetzt nicht Paul. ABER: Wie will der Fahrer überhaupt beweisen, dass ich bei ihm mitgefahren bin? Das ist unmöglich. Nervös war ich trotzdem.

 

Es ist letztendlich nichts passiert. Und Judith ist kurz darauf auch angekommen. Der Urlaub konnte endlich losgehen!

 

(Ich werde den Eintrag weiter aktualisieren)

 

Good Bye Canada - Frust, Traurigkeit

18Jan2018

Ich sitze hier am Flughafen und kann es immer noch nicht fassen. Ich sollte eigentlich schon in Kuba auf dem Weg zu meiner Unterkunft sein. Stattdessen sitze ich hier - 500$ ärmer - und versuche meine Fassung zu wahren. Das gelingt mir allerdings nur bedingt.

 

07:15 ging der Flug - 06:25 zeigt mir der Computer am Flughafen an, dass der Check-In vorüber ist. Verzweifelt hetzte ich zum Schalter wo mir die Frau eiskalt gesagt hat, dass ich 15 Minuten zu spät bin und der Papierkram durch ist. Nach Flehen und Betteln hat sie mir dann eine Visitenkarte mit einer Telefonnummer gegeben. Ich solle doch die Nummer anrufen um einen neuen Flug zu buchen. Ja, ich bin zu spät. Ja, es ist meine eigene Schuld - ich habe zwei Wecker gestellt und ich kann mich wage daran erinnern, dass ich einen Wecker weggedrückt habe. Nach nur zwei Stunden Schlaf konnte ich das irgendwie nicht wahrnehmen. Aber kann man denn nicht mal etwas Menschlichkeit zeigen? 45 Minuten um einen Rucksack ins Flugzeug zu laden, kann doch kein großes Ding sein.

 

Nach diesem Tiefschlag gab es einen tränenreichen Abschied von Jazz. Wir haben die letzten vier Monate jeden Tag miteinander verbracht und unseren Abschied von Kanada auf den gleichen Tag gelegt. Das tut schon weh. Ich werde sie in Mexiko voraussichtlich wiedersehen, aber wer weiß wie die ganze Situation dann sein wird. Es ist nicht einfach. Meine Hoffnung einen günstigeren Flug bei American Airlines (ca. 240$) zu ergattern, wurden von einer Servicekraft zerschmettert. Die erklärte mir, dass sie den Flug zwar buchen kann, es aber keine Garantie gibt, dass ich auch ankomme. Man könne zwar einen Flug buchen, aber nur wenn man berufliche oder familiäre Absichten hat. Für Touristen ist die Zureise von USA nach Kuba aktuell eingeschränkt. Somit blieb mir nichts anderes übrig als 475$ für einen Flug über Toronto auszugeben. Nach der Buchung fügte sie noch hinzu, dass Gepäck extra zu zahlen ist. Den Hinweis, mir das doch bitte eher mitzuteilen, verkniff ich mir. Ändern kann ich es doch sowieso nicht mehr.

 

Jetzt muss ich erstmal nach Toronto. Vielleicht bin ich dann in der Stimmung etwas über meinen letzten Monat in Montreal zu schreiben.

 

 

Klarheit - wird ja auch mal Zeit.

25Nov2017

Avenue Mont Royale

 

Entgegen meiner Aussagen im letzten Blogeintrag werde ich nun doch etwas länger in Kanada bleiben. Nachdem ich nun jobfündig geworden bin und weiterhin eine günstige Unterkunft beziehen kann, habe ich mich dazu entschieden bis zum 18. Januar hierzubleiben. Dann werde ich meine Reise auf Kuba fortsetzen. Meine gute Freundin Judith kommt mich besuchen und wir möchten zusammen Kuba entdecken. Das wird super!

 

Streetart

 

So nun ein paar Informationen zu meinem neuen Job. Ich arbeite bei Goodfoods. Goodfoods ist ein Lebensmittellieferservice. Auf der Website kann man zwischen verschiedenen Mahlzeiten auswählen, z.b. Burger oder Ramengerichte. Nachdem die Bestellung aufgegeben wurde, bekommt man die frischen Zutaten + Zubereitungsanleitung zugeschickt. Soweit so gut - und was ist mein Job? Ich habe einen Job in der "Qualitätskontrolle". Hört sich erstmal toll an, ist aber total langweilig und hat auch wenig mit Qualitätskontrolle zu tun. Beim Bewerbungsgespräch wurde mir gesagt, dass die Aufgabenbeschreibung noch nicht wirklich ausgearbeitet ist. Genauso ist es auch, aber ich habe es mir nicht so schlimm vorgestellt. Jetzt ist es aber jedes Mal so, dass ich zu Beginn eines jeden Arbeitstages gesagt bekomme, dass es heute wieder nicht viel Arbeit gibt. Ich bin somit überwiegend damit beschäftigt mir irgendwelche Aufgaben und Tätigkeiten auszudenken. Mir wurde auch von Kollegen empfohlen einfach so zu tun als würde ich irgendwas machen. Auf die Frage, wie meine Kollegen den Job finden, kamen zufriedenstellende Antworten, denn es ist ja ein entspannter Job. Mein Gedanke ist einfach nur dass ich irgendwas zu tun haben möchte, damit die Zeit vergeht. Die Arbeitsbedingungen sind zudem nicht besonders angenehm. 3,5 Grad Celsius Umgebungstemperatur lassen mich trotz Funktionsbekleidung und zwei paar Socken immer noch frösteln.

 

Hygiene geht hier vor :D

Seid ihr noch da?

13Nov2017

  Notre Dame - Lightshow

 

Hallo liebe Leute,

ich habe mir gedacht: "Mensch, nach einem Monat und etlichen Rüffeln, vor allem aus der Verwandtschaft, solltest du mal wieder was von dir hören bzw. sehen lassen." Was für ein Wort ist "Rüffeln" eigentlich? Dass ich dieses Wort jemals benutze, hätte ich nicht gedacht. Ich musste kurz im Duden nachschlagen, ob es das Wort auch tatsächlich gibt. Mein Wortgedächtnis scheint tatsächlich noch ab und an zu funktionieren.

 

Aber nun mal zum Thema. Mittlerweile bin ich schon seit zwei Monaten in dem Teil Kanadas, den ich eigentlich tunlichst meiden wollte: Quebec. Man hört es ja schon am Namen, was hier im Argen liegt. Französisch. Am Anfang war ich der Sprache noch relativ aufgeschlossen und ich habe sogar überlegt etwas französisch zu lernen, aber ich habe mich letztendlich dagegen entschieden. Warum fragt ihr euch? Da gibt es zwei Gründe:

1. Ich habe auch begonnen Spanisch zu lernen, weil ich ein halbes Jahr durch Zentral- und Südamerika reisen möchte. Somit war mir der Lernumfang neben der Arbeit deutlich zu hoch.

2. Die Quebecer, bzw. die frankophone Bevölkerung in Montreal sprechen zwar auch überwiegend Englisch, wollen es aber gar nicht. Dazu kommen viele Franzosen, die hier auch Reisen oder Studieren und genauso wenig Englisch sprechen wollen bzw. es gar nicht können. Nun ist es oft passiert, dass ich und Jazz mit mehreren Franzosen unterwegs war. Ich finde es normal, dass wenn man gemeinsam unterwegs ist, versucht die Gruppe so zu öffnen, dass alle gleich partizipieren können. Die Franzosen haben aber lieber französisch untereinander gesprochen und uns somit irgendwie ausgegrenzt. Klar hat mal einer ein paar Sätze Englisch gesprochen, aber Gruppendialoge wurden immer in Französisch geführt. Das gleiche bei den Frankokanadiern: Ich wurde eingeladen zu einem Dokumentationsabend, also Dokumentationen statt Filme schauen. Gleiches Szenario: Es wurde überwiegend französisch gesprochen. Alex, einer meiner jetzigen Mitbewohner, ist der einzige der ab und zu mal mit mir Englisch gesprochen hat.

Nein, ich möchte kein Französisch lernen. Aus Trotz.

 

Die Stadt Montreal ist schön. Es ist meiner Meinung nach die schönste Stadt die ich bis jetzt in Kanada gesehen habe. Das liegt an den vielen Sport- und Freizeitparks, den vielen Grünflächen und auch an dem französisch-europäischen Einfluss. Hier findet man viele alte Gebäude aus der französischen Kolonialzeit. Montreal fühlt sich etwas wie Europa an. Nichtdestotrotz sind die Wohnviertel nicht besonders einladend. Hat man eine Straße in einem Viertel gesehen, kann man zum nächsten Viertel übergehen. Ich frage mich, wie lange es dauert bis man sich visuell in der Stadt orientieren kann. Ohne Navi wäre ich bei meiner Arbeit sowas von aufgeschmissen gewesen. Die Altstadt, der Hafen und der anliegende Berg bzw Höhenzug Mont Royal sind sehr sehenswert. Es gibt viele Straßenmusiker, viele Künstler und generell viel Kultur und Angebote für alle Altersklassen. Montreal lebt. Hier gibt es viel zu entdecken - gesehen habe ich schon einiges von der Stadt, aber ich habe das Gefühl da gibt es noch viel mehr. Bilder von Montreal findet ihr im letzen Post. Macht ja keinen Sinn nochmal alles hochzuladen. :D

 

Einer der vielen Parks

Kunst - aber die Augen sind gruselig Montreal ist voll mit professionellen Graffitis

 

Dafür, dass ich erst zwei Monate hier lebe bin ich schon ganz schön oft umgezogen. Nämlich vier Mal. Nach einem Monat Hostel bin ich mit Jazz zu ihrer Freundin Rania gezogen für zwei Wochen. Von da aus ging es dann in eine andere Airbnb-Wohnung. Dort war unsere Wohnsituation aber außerordentlich schlecht, so dass wir nach vier Tagen mehr oder weniger gezwungen waren, eine Alternative zu finden. Die Wohnung gehörte einer Familie. Der älteste Sohn Oliver hat das Zimmer von seinen Eltern gemietet und über Airbnb weiter untervermietet. Soweit so gut. Nachdem wir für einen Monat gebucht haben, haben wir aber erfahren, dass Oliver die Wohnung an Charles,den jüngeren, Sohn übergibt. Charles ist ein paar Tage vor uns in die Wohnung gezogen. Von anderen Bewohnern haben wir erfahren, dass Charles sehr dreckig, sich um nichts kümmert und die Lebensmittel von den anderen Airbnb'lern isst. Nach zwei Tagen konnten wir all dies bestätigen - bis auf das mit dem Essen. Zudem lungerte er mit seinen Freunden den ganzen Tag in der offenen Küche/ Wohnzimmer rum, schaute Serien, kiffte und schlief auch auf der Couch. Jeden Morgen lagen dann die Typen rum wenn man frühstücken wollte. Uns blieb nichts anderes übrig als zu stornieren. Leider haben wir dadurch 70$ verloren, aber naja!

Nach einer Zwischenübernachtung in einem Zimmer voll Lego sind wir jetzt in einer richtig coolen Wohngemeinschaft. Es sind zwar Frankokanadier, aber glücklicherweise sind schon alle viel rumgekommen und sprechen Englisch, Französisch und Spanisch. Es ist ein Appartement in einem alten Haus mit alten Holzdielen. Es knarzt egal wo man hintritt und es ist sehr hellhörig. Glücklicherweise gibt es sogar ein Piano, eine Gitarre und ein paar Trommeln. Langweilig wird es mir hier also auf keinen Fall. :D

 

Wohnzimmer Schlafzimmer

 

Man könnte meinen es ist alles wunderbar, aber tatsächlich ist es das nicht. Ich habe für die 1,5 Monate Arbeit zwar erstaunlich viel Geld angespart, aber theoretisch ist es immer noch etwas wenig in Bezug auf meine Pläne. Ich möchte aber nicht wirklich länger hier bleiben. Es ist kalt, ich möchte mir keine neue Kleidung kaufen, ich finde keinen wirklich guten Job der meinen Vorstellungen entspricht und die Situation mit meiner lieben Zimmerbewohnerin und besten Freundin Jazz ist auch nicht mehr wirklich zufriedenstellend. Das soziale Umfeld ist aufgrund des Auszugs aus dem Hostel auch nicht mehr wirklich gut. Ich denke wirklich es ist an der Zeit weiterzuziehen. Ich werde noch ein, zwei Tage abwarten ob sich irgendetwas tolles ergibt. Wenn nicht, werde ich die Woche noch meinen Flug buchen.

 

Dann heißt es:

Au revoir Kanada - Au revoir Montreal - Au revoir Jazmin

 

Jazmin + Streetart

Impressionen

09Okt2017

Ankunft Montreal Park La Fontaine Old Montreal Kurz vor Saint Denis Tam-Tams Montreal Auf dem Mont Royale. Blick Richtung Downtown Mont Royale Night  Metro Mont Royale Livemusik Metro Mont Royale Jazzband in der Bootlegerbar Ich und Jazz in der Bootleggerbar :D

Old Montreal Old Montreal2

 

 

 

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